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Kleidung in Wantesbeke

Was tragen die Wantesbeker? Diese Frage soll in den folgenden Absätzen behandelt werden.

Stoffe und Farben

Für das 10. Jahrhundert kommen als Stoffe Wolle, Leinen und Seide in Betracht. Samt gab es noch nicht. Baumwolle wurde für die Kleiderherstellung erst ab der frühen Neuzeit verwendet und Leder nur für Arbeitskleidung.
Da Seide eine teure Importware war, bestand die Kleidung der Wantesbeker Familie vornehmlich aus Woll- und Leinenstoff.

Zum Färben der Stoffe verwendete man Pflanzenbestandteile mit färbenden Eigenschaften, z.B. Zwiebelschalen für eine gelblich-bräunliche Farbe, als günstiges Abfallprodukt. Oder Brennesseln, die eine gelblich-grüne Farbe geben, ebenfalls günstig in der Beschaffung.
Auch blaue Stoffe konnten ohne Probleme mit Hilfe des indigohaltigen Färberwaids hergestellt werden.
Teurer waren vor allem dunkle Stoffe, weil diese mehrmals gefärbt werden mußten, damit sie ihre Farbtiefe erreichen konnten.

Kleidungsstücke

Als unterstes wurde ein Unterkleid bzw. ein Unterhemd aus Leinen oder dünnem Wollstoff getragen. Darüber zog der Mann eine Tunika, die ihm entweder etwa bis zum Knie ging, oder aber wie ein Kleid bis zum Boden reichte. Die Tunika wurde mit einem Gürtel getragen, wobei ein Teil der Tunika über dem Gürtel zu einem Bausch herausgezogen wurde. Dazu trug er eine einfache Hose und Socken, sofern die Hose keine Füßlinge hat.
Die Unterschenkel wurden oft noch extra mit Beinwickeln, breiten Streifen aus Wollstoff, umwickelt.
Trägt der Mann einen Mantel, so reicht dieser auf den bildlichen Darstellungen oft bis zur Kniebeuge oder bis zur Mitte des Unterschenkels und wird auf der rechten Seite mit einer Scheibenfibel verschlossen. Der rechte Arm bleibt dabei frei.

Die Frau zog über ihr Untergewand ein zweites, wenn sie reich war gar ein drittes oder viertes Gewand.
In den Abbildungen gibt es verschiedene Varianten:

Beispiel für eine ottonische
Frauengewandung

Beispiel für eine ottonische
Frauengewandung

Oft ist das Oberkleid kürzer als das Unterkleid oder es wird gerafft: man sieht also einen Teil des Unterkleides. Das Oberkleid konnte aber auch länger oder genauso lang sein, wie das Unterkleid.
Gleiches gilt für die Ärmel: sie konnten bei den Obergewändern entweder länger oder gleichlang sein, wie die des Unterkleides, oder aber die Ärmel des Oberkleides waren kürzer als die Ärmel des Unterkleides. Sie gingen dann meistens bis zur Mitte des Oberarms oder bis zur Armbeuge. Die kürzeren Ärmel sind dann weiter als der eng anliegende Unterkleidärmel.
Wenn man statt kostspieliger vier Kleidern nur zwei tragen konnte, bestand die Möglichkeit, auf das Unterkleid Zierborten zu nähen, so daß es so aussah, als trüge man noch eine Schicht Kleidung mehr. Das Unterkleid könnte in diesem Fall auch farbig sein.
Die Kleider wurden mit einem Gürtel tailliert.
Als Kopfbedeckung wurde meistens ein Kopftuch getragen, das an einer Seite des Kopfes lang runterhängen gelassen wird.
Statt Hosen trugen die Frauen vermutlich genähte Strümpfe, die mit ledernen Riemen oder Stoffbändern gehalten wurden. Gräberfunde von Metallschnallen in Frauengräbern werden als Strumpfhalterschnallen interpretiert und stützen diese Annahme.

Zur Zeit der Ottonen dominiert in den Abbildungen definitiv die Scheibenfibel. Aber auch Ringfibeln sind als Funde, besonders im skandinavischen Raum, bekannt.
Die Fibeln dienten zum Verschluß der Kleidung und als Schmuck. Eine Abwandlung der Scheibenfibel ist die Buckelfibel. Dabei sitzt der namengebende Buckel auf einer runden Scheibe. Buckelfibeln sind im 10. und 11. Jahrhundert eine typisch nordwesteuropäische Schmuckform. Die meisten gefundenen Fibeln sind aus Silber, denn sie wurden im Nord- und Ostseeraum häufig in Hacksilberdepots vergraben, die als Geldversteck dienten. Dadurch sind die meisten heute überlieferten Buckelfibeln aus Silber.


Emaillescheibenfibel aus Hamburg, 8./9. Jh

Handarbeitstechniken

Nadelbinden


Die Socken Heinrich des Zänkers
Nadelbinden ist eine sehr alte Handarbeitstechnik, bei der mit Hilfe einer meist gröberen Nadel Schlaufen gebildet werden, die anschließend durchnäht werden. Es entsteht ein dichtmaschiges Gewebe, das aber nicht aufribbeln kann, weil die Schlaufen ineinander verknotet sind. Mit dieser Technik wurden warme Socken, Mützen und Fausthandschuhe aus Wolle hergestellt, aber auch Milchsiebe aus Leinengarn.
Die Nadeln sind meistens gröber, aus Knochen oder Holz und die Wollfäden dick. Man kann natürlich auch feinere Gewebe mit dieser Technik herstellen, aber das ist sehr zeitaufwendig. Eine detaillierte Anleitung gibt es auf der Seite des Museumsdorfs Düppel.

Brettchenweben

Brettchenweben ist eine besondere Form der Bandweberei. Sie wird ohne Webstuhl mit vielen kleinen Brettchen durchgeführt. Die Technik konnte in Europa seit 600 v. Chr. nachgewiesen werden. Erst im 15. Jahrhundert verliert sie langsam an Bedeutung.
Mit der Technik des Brettchenwebens wurden Borten zum Verzieren der Kleidung hergestellt, oder man konnte die Bänder auch als Gürtel verwenden. Die Brettchen sind aus Holz, Horn, Leder oder Knochen. Es gibt sie in verschiedenen Formen, meistens sind sie aber quadratisch und haben 4 Löcher. Durch die Löcher werden Fäden aus Wolle-, Seiden- oder Leinengarn gezogen. Das Weben erfolgt durch Drehen der nebeneinander angeordneten Brettchen und Einzug vom Schußfaden mit einem Webschiffchen.
Eine genaue Anleitung für diese Technik ist auf der Seite von Flinkhand zu finden.

Schuhe

Die Schuhe in Sachsen waren meistens aus Ziegenleder. Die Schuhe konnten schwarz gefärbt oder naturbelassen sein, wobei der Färbevorgang das Leder angriff - was nicht heißt, daß auf gefärbte Schuhe verzichtet wurde!
Die Schuhe waren wendgenäht, das heißt die Lederstücke wurde zusammengenäht und dann zum Tragen umgekrempelt.



Referenzen:

 
  Europas Mitte um 1000, Band 1 und 2
  Die Kleidung nach Quellen des frühen Mittelalters
  Frühes Gold aus Norddeutschland
  Flinkhand - Mittelalterliche Handarbeiten, historische Hintergründe und Anleitungen zum Selbermachen
Bildnachweis: Bamberger Apokalypse, um 1000, Kloster Reichenau
(Signatur: Msc. Bibl. 140, Staatsbibiothek Bamberg)
  Regelbuch von Niedermünster in Regensburg, um 990, Regensburg
(Signatur: Msc.Lit.142, Staatsbibiothek Bamberg)
  Von den Sachsen zu Hammaburg - Bilder aus Hamburgs Frühzeit