Die Geschichte Hamburgs
Vor- und Frühgeschichte20 000 bis 8000 v. Chr. leben im Gebiet des heutigen Hamburgs Rentier und Mammutjäger. Rastplätze sind u.a. in der Gegend des späteren Wellingsbüttel und Meiendorf gefunden worden.
Ab 4000 v. Chr. gibt es beständige Siedlungen der Steingräber- oder Hünengräber-Menschen. Funde wurden z.B. in der Fischbeker Heide gemacht.

Ausbreitung der Sachsen
Zwischen 1800 und 800 v. Chr. entsteht das Volk der Germanen an den Küsten von Nord- und Ostsee, das sich 600/500 v. Chr. teilt. In Norddeutschland bleiben die Westgermanen, unter denen sich um 200 n. Chr. der Stamm der Sachsen bildet. Ihr Kerngebiet ist nördlich und südlich der Niederelbe. Die Sachsen nördlich der Elbe heißen Nordalbingier. Es gibt drei nordalbingische Stämme: die Holsaten, Holsten oder Holzsassen, die im Walde leben, die Dithmarscher im Gau des Dithmar und die Stormaren zwischen Bille und Krückau im "Sturmgau".
Die Wantesbeker sind Stormen und leben im Sturmgau, das den größten Teil des heutigen Hamburgs einschließt.
Der Norden
Im 9. Jahrhundert ist Europa zweigeteilt. Der Süden setzt die antike Kultur der Römer fort. Hier gibt es Bauten aus Stein und Straßen. Dagegen ist der Norden unterentwickelt, es herrschen frühgeschichtliche Lebensbedingungen. Diese kulturelle Grenze verläuft in etwa dort, wo auch die alte Grenze des Römische Reiches verlaufen ist.
Städte gibt es im Norden nicht, wohl aber Siedlungen und auch Burgen, die auf ähnliche Weise befestigt sind wie die Hammaburg. Birka in Schweden, der in dieser Zeit wichtigste Handelsplatz des Nordens, ist so eine Burg.
Germanen und Slawen leben an den Orten um das heutige Hamburg. In friedlichen Zeiten treiben sie Handel mit nicht verderblicher Waren wie Wachs, Honig, Fellen oder Bernstein und tauschen sie gegen andere Bedarfgüter wie Gefäße, Waffen und Werkzeuge. Zu den wichtigsten Nahrungsmitteln und Handelsgütern der Fluß- und Marschenfischer gehört der Fisch. Besonders reichlich gibt es Maifisch, eine frühe Art des Herings.
Als Wohnhaus dienende Pfostenhäuser, bei denen die Zwischenräume von in die Erde gerammten Pfosten mit Flechtwerk ausgefüllt und mit Lehm verschmiert werden. Dazu gibt es Grubenhütten, die im Wesentlichen Erdlöcher mit einem zeltförmig aufgesetzten Schilfdach sind. Sie dienen als Speicher oder Werkstätten.
Die Hammaburg
Als dänische Wikinger 808 zu Lande und zu Wasser bis an die Aller vordrangen, schob Kaiser Karl der Große die fränkische Reichsgrenze bis zur Eider und Trave vor. Hier sollten Befestigungen errichtet werden, aus denen die Menschen diese Grenze schützen konnten. Ein Sachsenwall, der Limes Saxoniae, bestehend aus Walddickicht, Dornbüschen und Hecken, sollte die Ostgrenze unpassierbar machen. Die Eider im Norden sollte militärisch verteidigt werden wobei ein Kastell an der Alster die Basisstation bilden sollte. Karl starb, bevor er sein Vorhaben in die Tat umsetzen konnte. Doch sein Sohn und Nachfolger, Kaiser Ludwig der Fromme, führt die Pläne seines Vaters fort und läßt 810 an der Alster die Hammaburg bauen. Die Burg wird so genannt, weil sie von dichten Hammen, d.h. Wäldern umgeben ist.

Modell der Hammaburg
Die Hammaburg liegt an einem Handelsweg, der von dem großen Handelsplatz Haitabu bei Schleswig über den Geestrücken durch eine Alsterfurt zum einzigen Elbübergang führt. Der liegt bei Artlenburg, von wo es zu dem bedeutenden Handelsplatz Bardowick geht. Auch Magdeburg ist über diesen Weg erreichbar. Die Wege sind ausgetretene und ausgefahrene Pisten. Der große Handelsweg führt teilweise durch Moor. Bohlenwege, die auf einer tragenden Schicht aus Birken- und Weidenzweigen liegen, helfen beim Passieren dieser Strecke.
Das umgebende Land ist wenig einladend. Die Geest ist von den dichten Hammen bedeckt und die Niederungen der Flußläufe, die Marschen, sind versumpft. Die Marschen sind weitesgehend unbewohnbar, denn bei Flut werden sie überschwemmt. Die Siedlungen in den Waldlichtungen bestehen nur aus wenigen Hütten. In einer von ihnen hat Ebbo, der Erzbischof von Reims 823 eine Taufkirche bauen lassen. Der Ort wurde nach ihm Ebbodorp (Eppendorf) genannt.
Die Hammaburg liegt also auf dem Geestrücken zwischen Alster und Bille, umgeben von sumpfigen Marschland und dichten Wäldern. Sie mißt 130 x 130 Meter und hat eine Viereckige Form. Der sie schützende Erdwall ist zwischen 6 und 7 Meter hoch und 15 Meter breit. Er ist mit senkrecht in die Erde gerammten Eichenbohlen befestigt.
Auf der Wallkrone gibt es sogar einen Wehrgang.
Für den Bau der Hammaburg mußten 20 000 m³ Erde umgeschichtet und ca. 10 000 Eichen abgeholzt werden.
Der einzige Zugang zur Burg ist ein Tor im Westen. Im Süden befindet sich an einem Billearm der Schiffsanlegeplatz. Im Inneren des Walls liegen die Unterkünfte der etwa 50 Mann Besatzung und der Königshof des Grafen. Der Graf ist militäricher Befehlshaber und Gerichtsherr. Die Geistlichen unterstehen ihm aber nicht.
Die Bewohner des hammaburger Umlandes betreiben Fischfang, Ackerbau und Viehzucht. Es gibt Töpfer, Weber, Tischler und Schmiede. Sie produzieren nur für den Eigenbedarf, z.B. grobe Stoffe für Tuniken und Kleider oder einfache Tontöpfe. Feinere Waren werden eingeführt. Die Siedlungen der Kaufleute außerhalb der Burgmauern nennt man Wik. Die hammaburger Wik liegt westlich des Burgtoren. Der Handel liegt noch in der Hand eingewanderter Friesen und reisender Kaufleute. Aus dem Westen kommen flandrische Leinen und Tuche und fertige Leinenhemden. Tonkannen und Wein von Rhein und Mosel, fränkische Waffen und Schmuck, Mühlsteine aus Basalt. Aus dem Osten kommen Pferde, Felle, landwirtschaftliche Produkte der verschiedensten Art - und Sklaven.
Ludwig der Fromme sendet im Jahr 831 den 30jährigen Ansgar als Erzbischof nach Hamburg. Von dort aus soll er die heidnischen Nachbarn missionieren und durch den Glauben zu Gleichgesinnten machen.
833 erhält das Kloster Corvey von Kaiser Ludwig das Recht, Münzen zu prägen. 834 wird das Mänzrecht auf den Erzbischof von Hammaburg ausgedehnt. Klöster sind nicht nur die geistlichen und geistigen Mittelpunkte des Landes, sie sind auch die Versorgungsbasen für den kaiserlichen Hof, für die Teilfürsten und für besondere Aufgaben. Das Erzbistum Hammaburg erhält das Kloster Turholt als wirtschaftliche Basis. Die Klöster verfügen über Grundbesitz und sammeln Reichtümer aus dem "Kirchenzehnt", zu dessen Zahlung jeder Untertan verpflichtet ist. Von allem, was er besitzt und erwirbt, muß jeder ein Zehntel abgeben. Nicht so sehr gegen den christlichen Glauben wehren sich die Sachsen und später die Slawen als gegen diese Steuerpflicht, die sie mit der Taufe auf sich nehmen müssen.
Kurze Übersicht
| 810 |
Am heutigen Speersort beginnen die Arbeiten an einer Fluchtburg: der Hammaburg. Sie besteht aus einem 1 bis 5 Meter hohen, mit Palisaden verstärkten Erdwall. Die Burg wird mit 50 Männern besetzt und belegt eine quadratische Fläche von je etwa 130 Metern Länge. |
| 831 | Am Weihnachtstag wird der 30jährige Ansgar aus Corvey zum Erzbischof geweiht. Sein Sitz soll in Hammaburg sein, das Zentrum für die Missionierung des Nordens werden soll. |
| 845 | Die Hammaburg wird von dänischen Wikingern überfallen und zerstört. Erzbischof Ansgar flieht nach Ramelsloh. Danach wird der Sitz des Erzbistums nach Bremen verlegt, weil die Lage Hammaburgs zu gefährlich ist. |
| 880 | Slawen und Dänen dringen gemeinsam in Sachsen ein. Die Schlacht bei Eppendorf (2.Februar) fordert das Leben von 2 Bischöfen und 12 sächsischen Grafen. Hamburg wird wieder zerstört. |
| 965 | Papst Benedikt V. wird von Kaiser Otto dem Großen abgesetzt und nach Hamburg (inzwischen wieder aufgebaut) in die Verbannung geschickt. Am 04. Juli stirbt der Papst und wird im Hamburger Dom beigesetzt (995 nach Rom überführt). |
| 983 | Der Sachsenherzog Bernhard I. Billung verspricht dem Slawenfürsten Mistewoi, ihm die Hand seiner Nichte Mathilde zu geben. Doch der Herzog bricht sein Wort und Hamburg wird ein weiteres Mal zerstört, diesmal von Mistewoi. |
| 1037 | Die "Bischofsburg" wird nördlich der Hammaburg von Erzbischof Bezelin errichtet. |
| 1043 | Erzbischof Adalbert errichtet im Südosten der Hammaburg die "Wiedenburg". |
| 1045 | Bernhard II. Billung läßt in einer Alsterniederung westlich der Hammaburg die "Alsterburg" bauen. |
| 1050 | Herzog Ordulf läßt die "Neue Burg" am rechten Alsterufer südwestlich der Hammaburg erbauen. |
Referenzen: |
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|---|---|
| "Das Abenteuer das Hamburg heißt" von Erik Verg |
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| Bildnachweis: | Photographie der Miniaturnachbildung der Hammaburg im Museum für Hamburgische Geschichte |